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Das Wikinger Museum Haithabu: UNESCO-Welterbe und Eröffnung 1985
Das Wikinger Museum Haithabu an der Schlei bei Schleswig zählt zu den bedeutendsten archäologischen Museen Deutschlands und ist seit 2018 zusammen mit dem Danewerk als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt. Es wurde am 1. November 1985 eröffnet. Die archäologischen Grabungen am Haddebyer Noor begannen bereits im Jahr 1900. Zwischen 1930 und 1939 wurden die Arbeiten unter der Leitung des Prähistorikers Herbert Jankuhn intensiviert und unter anderem durch die SS-Forschungsgemeinschaft „Deutsches Ahnenerbe“ finanziert, da die Nationalsozialisten den Arbeiten eine hohe ideologische Bedeutung für die Suche nach einer „germanischen“ Identität zumaßen.
Forschungsgeschichte und Museumsbau
Trotz seiner NS-Vergangenheit erhielt Jankuhn nach dem Zweiten Weltkrieg Forschungsaufträge und setzte die Grabungen fort. 1949 wurden die Palisaden der Hafenbefestigung entdeckt und bis 1959 die gesamte Südsiedlung freigelegt. Der entscheidende Impuls für den Museumsbau war die Bergung des 16 Meter langen Wikingerschiffs („Haithabu 1“) im Jahr 1979. Die Grundsteinlegung erfolgte 1981, und der Bau wurde von Bund und Land Schleswig-Holstein mit rund acht Millionen D-Mark finanziert. Die architektonisch an kieloben liegende Wikingerschiffe erinnernden Häuser wurden 1985 fertiggestellt.
Ausstellungsinhalte und Freilichtgelände
Das Museum präsentiert zahlreiche Originalfunde wie Runensteine, Waffen, Schmuck und Alltagsgegenstände. Themenschwerpunkte sind Handwerk, Handel sowie heidnischer Glaube und christliche Religion. Das angeschlossene Freilichtgelände, das 2007/2008 mit rekonstruierten Holz- und Lehmhäusern und einer Landebrücke (2007) ausgestattet wurde, dient der lebendigen Darstellung des Wikinger-Alltags. Besucher können bei Veranstaltungen aktiv am Leben der Wikinger teilnehmen, etwa beim Brote backen oder Bogenschießen. Diese Reenactment-Idee, entwickelt von der ehemaligen Direktorin Ute Drews, ermöglicht es, die Wikingerzeit „mit allen Sinnen zu erfahren“. Regelmäßige Märkte ziehen Hunderte von Teilnehmern an.
Haithabu: Ein historischer Handelsplatz
Haithabu (altnordisch: Heiðabýr), gegründet um 770, erlebte seine Blütezeit im 10. Jahrhundert als südlichste Siedlung der Wikinger. Mit geschätzten 1.500 bis 2.000 Einwohnern war es der bedeutendste Handelsplatz des westlichen Ostseeraums. Die strategische Lage an der schmalsten Landstelle zwischen Ost- und Nordsee – nur 18 Kilometer von der Schlei bis zum Nordseehafen Hollingstedt – verkürzte den Seeweg enorm. Zudem verlief westlich der Ochsenweg, die zentrale Nord-Süd-Verbindung. Die Siedlung wurde 1050 erstmals durch König Harald Hardrada von Norwegen und 1066 endgültig durch Westslawen zerstört, was das Ende der Wikingerzeit an diesem Ort markierte.
Museumsleitung und Umgang mit der Geschichte
Seit der Wiedereröffnung 2018 stieg der Besucherzustrom von 120.000 auf bis zu 185.000 pro Jahr. Nach Kurt Schietzel, Hartwig Lüdtke und der langjährigen Leiterin Ute Drews (1991–2021) übernahm Matthias Toplak, ein promovierter Mittelalterarchäologe und bekennender Wikinger-Fan, im Oktober 2021 die Leitung.
Kritische Aufarbeitung und politische Positionierung
Das Museum geht in seiner Dauerausstellung kritisch auf die Rolle des Archäologie-Pioniers Herbert Jankuhn ein. Jankuhn war aktiv in der SS tätig, denunzierte Wissenschaftler in Norwegen und ließ in der Sowjetunion Bibliotheks- und Museumsbestände konfiszieren. Nach seiner Haft nutzte er falsche Angaben zur Forcierung seiner Entnazifizierung. Haithabu positioniert sich mit dem Papier „Welterbe gegen Rechts“ klar gegen den politischen Missbrauch der Wikingerromantik und betont, dass die Wikinger als erste „Global Player“ neue Ideen und das Christentum importierten und sich daher nicht für rassistische Propaganda eignen. Trotz umfassender Forschung sind erst etwa 1,5 Prozent des Hafens und fünf Prozent der Siedlung archäologisch erforscht.
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