Schiff der Träume

Zum letzten Mal

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg: „Schiff der Träume“ – Ein europäisches Requiem nach Federico Fellini, Regie: Karin Beier. Auf dem Foto v.l.: Yorck Dippe, Rosemary Hardy, Sasha Rau, Rosemary Hardy, Josefine Israel, Bettina Stucky, Julia Wieninger, Charly Hübner (hinten: Michael Wittenborn) © Matthias Horn, 2015.

Ein Luxusdampfer auf Kollisionskurs mit der politischen Realität. An Bord eine illustre Künstlergesellschaft – abendländische Monomanen, Angehörige eines modernen, europäischen Orchesters – auf dem Weg zur Seebestattung des Dirigenten. Überzeugt von ihrer aufklärerischen Mission, gefangen im Elfenbeinturm elaborierter, ästhetischer Diskurse, in Anspruch genommen von persönlichen Eitelkeiten und Ängsten um die eigene Zukunft, sind die Musiker nicht in der Lage, das sich anbahnende Desaster der politischen Wirklichkeit zu bemerken. Während an Bord noch engagiert geprobt wird – „Human Rights Nr. 4“, das opus magnum ihres verstorbenen Dirigenten – herrscht auf dem Meer ringsum längst der ungeschützte und rechtsfreie Ausnahmezustand einer fortschreitenden Globalisierung.

Als sich der Kapitän gezwungen sieht, die Passagiere eines schiffbrüchigen Flüchtlingsbootes aufzunehmen, nimmt die Bestattungsreise einen ungeplanten Verlauf – liebgewonnene eurozentrische Illusionen aufrecht zu erhalten, ist nun auch an Bord dieses Traumschiffes nicht mehr möglich.
Fellinis »Schiff der Träume« ist beides zugleich: Requiem für ein realitätsblindes und daher zum Untergang verurteiltes Europa und poetisch-dramatischer Aufruf zur Kursänderung. Karin Beier hat den Filmklassiker von 1983 mit Schauspielern, Performern und Musikern für die Bühne überschrieben und neu interpretiert.

Es spielen: Lina Beckmann, Gotta Depri, Yorck Dippe, Rosemary Hardy, Charly Hübner, Josefine Israel, Patrick Joseph, Jan-Peter Kampwirth, Josef Ostendorf, Sasha Rau, Ibrahima Sanogo, Michael Sengazi, Sayouba Sigué, Bettina Stucky, Kathrin Wehlisch, Julia Wieninger, Michael Wittenborn, Musiker: Ruben Jeyasundaram, Michael Leuschner, Maurice Mustatea, Yuko Suzuki

Regie: Karin Beier, Bühne und Kostüme: Johannes Schütz, Musik: Jörg Gollasch, Choreographie 2. Teil: Gotta Depri, Sayouba Sigué, Choreographie 1. Teil: Valenti Rocamora i Tora, Licht: Annette ter Meulen, Video: Meika Dresenkamp, Dramaturgie: Stefanie Carp, Christian Tschirner

Letzte Vorstellung am 02.04.2017 / 18 Uhr / SchauSpielHaus www.schauspielhaus.de