Lanzarotes neues Unterwassermuseum und Kaffee bei Saramago

Das Die Skulpturen-Gruppe «El Rubicón» steht für eine orientierungslose Gesellschaft - alle 35 Figuren gehen in die selbe Richtug, jedoch ohne Ziel. Foto: Manuel Meyer/mag

Arrecife – Der Besuch des Museo Atlántico an der Südspitze der spanischen Kanaren-Insel Lanzarote ist schon etwas umständlicher als bei einem normalen Museum. Dafür aber auch viel abenteuerlicher: Zunächst muss man sich bis auf die Badehose ausziehen. Danach schlüpft man in einen Neoprenanzug, legt sich einen Gürtel mit Gewichten um, zieht sich Maske, Flossen und ein Tauchgerät an.

Carlos Campaña schmeißt den Motor des Schlauchboots an. Die Fahrt vom Jachthafen Marina Rubicón zum Museum in der Bucht vor dem Strand Las Coloradas dauert fünf Minuten. Wie die meisten Tauchschulen mit einer Lizenz für die wohl ungewöhnlichste Museumsführung der Welt, hat auch Carlos in seinem Tauchzentrum «Lanzarote Non Stop Divers» immer mehr Kunden, die Europas ersten Unterwasser-Skulpturenpark kennenlernen möchten. Das Museum wurde von Jason deCaires Taylor geschaffen.

Langsam gleitet Carlos mit seinen Gästen 15 Meter hinab in die Tiefe. Schon von weitem sieht man im weißen Sand auf dem Meeresgrund mehrere schwarze Punkte. Je näher man kommt, umso klarer werden die Konturen einer Figuren-Gruppe. Die Beton-Skulpturen stellen fünf Kinder dar, die in sogenannten Jolateros sitzen. Jolateros sind aus Ölfässern gebaute Boote, mit denen Kinder auf Lanzarote traditionelle Wettrennen austragen. Auf dem «Floß von Lampedusa» sitzen dicht gedrängt Menschen. Kinder, Frauen, Männer. Obwohl man ihre Gesichter nicht erkennen kann, sieht man, wie sie leiden. «Mit diesem Werk möchte ich zum Nachdenken über das Flüchtlingsdrama in Europa anregen», stellt Jason deCaires Taylor klar.

Damit nicht nur Taucher Taylors Unterwasserkunst kennenlernen können, sollen demnächst auch Glasboote und sogenannte Tauchhelme zum Einsatz kommen. Schon seit einigen Jahren setzt Lanzarote immer mehr auf originelle Kulturprojekte dieser Art, um Touristen anzulocken und neue Alternativen zu bieten. Zwar nicht ganz so abenteuerlich wie das Museo Atlántico, aber mindestens genau so originell ist beispielsweise das José Saramago Haus.

Das José-Saramago-Haus wurde nach dem Tod des Literaturnobelpreisträgers ein Museum. Foto: Manuel Meyer/mag

Der portugiesische Literaturnobelpreisträger verbrachte die letzten 18 Jahre seines Lebens auf Lanzarote. Mit seiner Frau Pilar lebte er in Tías, zentral auf der Insel gelegen. Sein Haus, in dem er 2010 starb, wurde vor fünf Jahren als Museum eröffnet.

Alles wurde genau so belassen wie zu Lebzeiten des Künstlers: Auf dem Schreibtisch steht der alte Computer, auf dem Saramago Romane wie «Der Doppelgänger», «Die Stadt der Sehenden» oder «Die Reise des Elefanten» schrieb. Unweigerlich kommt das Gefühl auf, Saramago könnte gleich aus dem Nachbarzimmer hereinspazieren.

In der Küche saß Saramago früher mit vielen berühmten Freunden wie Susan Sonntag, Pedro Almodovar – aber auch mit Fans. Die klingelten häufig einfach an der Tür. Immer wenn er Zeit hatte, lud Saramago sie auf eine Tasse portugiesischen Kaffee in die Küche ein. Diese Tradition pflegt man beim Museumsrundgang heute noch.